Wegegabelung in einer Wohnstraße — Entscheidung Makler oder Privat

Provision beim MFH: Bestellerprinzip gilt nicht

Wer sich an die Provisionsteilung bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern erinnert, sollte beim Mehrfamilienhaus umdenken. Das seit 2020 geltende Bestellerprinzip nach § 656c BGB greift nur bei Wohnungen und Einfamilienhäusern, die nicht ausschließlich als Renditeobjekt gehandelt werden.

Reine Mehrfamilienhäuser und Zinshäuser sind davon ausdrücklich ausgenommen. Hier ist die Provision frei verhandelbar — und üblicherweise zahlt der Verkäufer die Verkäuferprovision, der Käufer die Käuferprovision, jeweils 2,38–3,57 % brutto.

Typische Provisionssätze in der Praxis

Praxistipp: Verhandeln Sie die Provision vor dem Maklervertrag. Nach Abschluss ist die Bereitschaft zur Nachverhandlung minimal. Realistische Hebel: Erfolgsstaffel (2,5 % bei Mindestpreis, 3 % bei Zielpreis, 3,5 % bei Höchstpreis), Festpreis bei Off-Market-Verkauf, Provisionsteilung mit Käufer. Wer mit drei Maklern parallel verhandelt, drückt den Satz fast immer um 0,5–1,0 Punkte.

Makler vs. Privat: Vergleich auf einen Blick

KriteriumMit MaklerPrivatverkauf
Provisionskosten Verkäuferseite2,38–3,57 % brutto (15.000–55.000 €)0 €
Direkte Kosten (Inserate, Fotos, Energieausweis)im Provisionspaket1.500–4.500 €
Wertermittlungprofessionell durch Makler oder GutachterSelbsteinschätzung — fehleranfällig
VermarktungImmoScout24, Immowelt, Off-Market-Netzwerk, Investorenliste1–2 Portale, eigene Reichweite
Käuferqualitätvorqualifiziert, Bonität geprüftoft Lookie-Lous, Spekulanten
Zeitaufwand Verkäufer~ 10–20 Stunden~ 60–120 Stunden
Standdauer am MarktØ 4,5 MonateØ 8,2 Monate
Erzielter Preis ggü. Marktwert+ 2–7 %− 2 bis + 1 %
Haftungsrisiko Verkäufergeringer (Makler-Prüfungen)höher (Mängelaufklärung)
Verhandlungserfolgprofessionelle Bieterverfahren möglich1:1-Verhandlung, oft emotional

Was Makler tatsächlich am Preis bewirken

Die häufigste Frage: „Holt der Makler die 35.000 € Provision auch wieder rein?" Eine ehrliche Antwort braucht Differenzierung.

A-Lage, marktgängiges Objekt

Ein gut geschnittenes 6-WE-Haus in München-Sendling, vollvermietet, Energieklasse C — solche Objekte lockt jeder fähige Makler in ein strukturiertes Bieterverfahren. 5–12 ernste Bieter, kompetitives Rangfahren, Aufschlag 4–10 % über die erste Indikation. Hier rechnet sich der Makler fast immer.

B-Lage, Standard-Bestand

6-WE-Haus in Hamburg-Wandsbek oder Leipzig-Plagwitz. Käuferpool kleiner, Bieterverfahren teils nicht durchsetzbar, Aufschlag 2–5 %. Bei 1,2 Mio Verkaufspreis sind das 24.000–60.000 € Mehrerlös bei 40.000 € Provision — Break-even bis leichter Vorteil.

C/D-Lage, schwieriges Objekt

Sanierungsstau, Erbbaurecht, problematischer Mieter, schwacher Standort. Hier macht der Makler einen Job, den der Verkäufer privat oft nicht durchhalten würde — aber der Mehrerlös gegenüber Privatverkauf liegt nur bei 1–3 %. Die Provision lohnt sich dann eher wegen Aufwand und Risiko, weniger wegen Preisoptimierung.

Wann Privatverkauf wirklich sinnvoll ist

Fall 1: Konkreter Käufer steht bereit

Der Nachbar will erweitern, der Mieter will kaufen, die Tochter übernimmt, ein Investor schreibt direkt an. In diesen Fällen bringt der Makler keine Akquise-Leistung — er würde nur die Vertragsabwicklung verteuern. Hier reicht oft ein Notartermin plus 2.000–3.500 € für die Marktwertbewertung durch unabhängigen Sachverständigen.

Fall 2: Sie kennen den Markt selbst

Wenn Sie als Investor mit 10+ Verkäufen im Rücken in einer Stadt vermarkten, die Sie kennen, und Sie selbst ein Netzwerk an Käufern haben — sparen Sie sich den Makler. Diese Konstellation ist allerdings selten beim einmaligen Verkäufer.

Fall 3: Sehr kleines Objekt

Bei 2–3 WE-Häusern unter 500.000 € Verkaufspreis ist die Provisionsbelastung relativ hoch (12.000–18.000 €) im Verhältnis zum Mehrerlös. Hier rechnet sich Privatverkauf oft.

Fall 4: Off-Market-Verkauf an Institutionellen

Ab 5–10 Mio € Volumen melden sich Vermögensverwalter, Family Offices und Versicherer direkt. Wer diese Kontakte hat, braucht keinen klassischen Makler — eine spezialisierte Investmentboutique mit Festhonorar reicht aus.

„Die schlechteste Entscheidung ist nicht Makler-oder-privat — es ist, mit dem falschen Makler ein gutes Objekt zu verbrennen. Lieber privat verkaufen und sich Zeit lassen als einen Generalisten ohne MFH-Erfahrung beauftragen." — typische Aussage erfahrener Bestandshalter.

Hybridmodelle: Off-Market und Pauschalpreis

Off-Market-Plattformen

Spezialisierte Plattformen für Investitionsimmobilien (z. B. McMakler Invest, Aroundhome Invest, Engel & Völkers Commercial) verkaufen ohne öffentliche Vermarktung diskret an einen vorgeprüften Investorenpool. Provision oft 1,5–2,0 % verkäuferseitig, Vermarktungszeit häufig 6–10 Wochen.

Online-Makler mit Pauschalpreis

Anbieter wie McMakler oder Homeday bieten MFH-Verkäufe zu Pauschalprovisionen (2,38 % gedeckelt, in manchen Tarifen sogar Festpreis 8.000–15.000 €) an. Service-Niveau variiert stark — bei komplexen Objekten oft nicht ausreichend, bei Standard-MFH eine gute Alternative.

Co-Brokerage

Zwei Makler arbeiten zusammen und teilen die Provision. Erhöht die Reichweite und führt häufig zu schnelleren Verkäufen — der Verkäufer zahlt nur einmal Provision.

Beratung statt Vermittlung

Manche Berater stellen Wertermittlung, Exposé, Vertragsentwurf und Käuferakquise zu Stundensätzen oder Festhonoraren bereit (8.000–25.000 €). Sie verkaufen formal aber selbst. Lohnt sich, wenn Sie die Endphase selbst übernehmen wollen.

Wie Sie den richtigen Makler auswählen

Kriterien für gute MFH-Makler

Rote Flaggen

Unabhängige Wertindikation als Verhandlungsbasis

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Maklerprovision beim Mehrfamilienhaus?

Bei reinen Renditeobjekten ist die Provision frei verhandelbar — typisch 2,38–3,57 % brutto pro Seite. Das Bestellerprinzip (geteilte Provision) gilt nur bei Wohnimmobilien, die selbst genutzt werden — Renditeobjekte sind davon ausgenommen. Bei einem 1,5-Mio-Verkauf entstehen 35.000–55.000 € Maklerkosten.

Erziele ich mit Makler einen höheren Preis?

Statistisch ja, im Schnitt 4–7 % über Privatverkauf — durch breitere Vermarktung, professionelles Bieterverfahren und größeren Käuferpool. Bei sehr begehrten Objekten in A-Lage kann der Aufschlag bei 10–15 % liegen. Bei strukturschwachen Lagen oft nur 1–3 %.

Welche Aufgaben übernimmt der Makler?

Wertermittlung, Unterlagenbeschaffung, Exposé, Vermarktung auf Immoportalen und in eigenen Netzwerken, Bonitätsprüfung der Käufer, Besichtigungen, Preisverhandlung, Notartermin-Koordination. Bei Renditeobjekten zusätzlich: Mietliste-Aufbereitung, Due-Diligence-Dataroom, Investorenpitch.

Wann lohnt sich der Privatverkauf?

Wenn Sie einen konkreten Käufer haben (Mieter, Nachbar, Familienmitglied, Off-Market-Anfrage), die Marktlage gut kennen und Zeit für das Verfahren mitbringen. Auch bei sehr kleinen Häusern (2–3 WE) unter 600.000 € Verkaufspreis rechnet sich der Makleraufwand oft nicht.

Welche Risiken hat der Privatverkauf?

Falsche Wertangabe (zu hoch → Standzeit / zu niedrig → Verlust), keine Bonitätsprüfung, mangelhafte Vertragsgestaltung, Haftungsrisiko bei verschwiegenen Mängeln, Stress durch Besichtigungen, Konflikte mit Mietern. Ohne Erfahrung in Renditeimmobilien wird der Privatverkauf schnell teuer.

Gibt es eine Hybrid-Lösung?

Ja: Makler nur für Wertermittlung und Käuferakquise beauftragen, Vertragsverhandlung selbst führen. Oder: Off-Market-Verkauf über spezialisierte Investorenplattformen mit reduzierter Pauschalprovision (8.000–18.000 €). Beide Wege sparen 30–60 % der klassischen Provision.

MR
Autor Stand Mai 2026
Marc-René Ruisinger
Geschäftsführender Gesellschafter · Schwäbische BauWerk GmbH, Stuttgart

Marc-René Ruisinger führt das Stuttgarter Familienunternehmen Schwäbische BauWerk GmbH in fünfter Generation und ist alleiniger Gesellschafter-Geschäftsführer der Marc-René Ruisinger Immobilien GmbH. Sein Schwerpunkt: Erwerb, behutsame Modernisierung und langfristige Bestandshaltung von Mehrfamilienhäusern im süddeutschen Raum. Mehr als zwei Jahrzehnte praktische Erfahrung mit Ankauf, Bewertung, Sanierung und Vermietung von Zinshäusern fließen in die Inhalte auf mehrfamilienhaus-bewerten.de ein.