Laptop mit Immobilien-Inserat auf dem Schreibtisch

Wer kauft Mehrfamilienhäuser?

Wer das Exposé für die falsche Zielgruppe schreibt, verbrennt 50 % der Wirkung. Die Käuferstruktur 2026 ist klar segmentiert — und jede Gruppe sucht andere Informationen.

KäufergruppeAnteilVolumen-Sweet-SpotSucht primär
Private Bestandshalter50 %0,7–3 Mio €Rendite, Mietliste, geringer CapEx
Family Offices20 %2–10 Mio €Lage, Cashflow, Skalierbarkeit
Bauträger (Privatisierung)15 %1,5–8 Mio €WEG-Potenzial, Sanierungsspielraum
Institutionelle10 %5–50 Mio €ESG-Konformität, Datenraum, Pipeline
Eigennutzer-Hybrid5 %0,5–1,8 Mio €eine eigene WE + Vermietung Rest

Ihre Käufergruppe bestimmt die Strategie

Ein 4-WE-Haus in Dresden für 720.000 € spricht primär Bestandshalter an — entsprechend Inseratstext mit Fokus auf Rendite und Mieterstabilität. Ein 18-WE-Komplex in Hamburg-Wandsbek für 6,8 Mio € braucht einen Datenraum-Ansatz mit institutionellem Pitch.

Aufbau eines professionellen Exposés

Ein Exposé für ein Renditeobjekt hat nichts gemein mit einem ETW-Verkaufsexposé. Es ist ein Investment-Memorandum.

Pflichtbestandteile

  1. Deckblatt — Adresse (PLZ und Stadt reicht, Straße auf Anfrage), Kaufpreis oder „VHB", Größenkennzahlen, prominentes Hauptfoto.
  2. Zusammenfassung auf einer Seite — die wichtigsten 12 Kennzahlen: WE, Wohnfläche, Grundstück, Baujahr, Mieteinnahmen p. a. ist / soll, Faktor, Energieklasse, Sanierungsstand, Stellplätze, ÖPNV, vermarktbare Highlights.
  3. Lagebeschreibung — Makro (Stadt, Wirtschaft, Demografie) und Mikro (Stadtteil, Infrastruktur, ÖPNV, Schulen, Einkauf). 2–3 Karten / Luftbilder.
  4. Objektbeschreibung — Bauweise, Geschosse, Aufzug, Heizung, Dach, Fenster, Außenanlagen.
  5. Wohnflächenaufstellung — pro WE: Etage, Zimmer, Wohnfläche, Balkon/Loggia, vermietet seit, Mieter (anonymisiert: „Familie/Senior/Berufstätig"), Kaltmiete/m², Mietspiegel-Vergleich.
  6. Mietliste — Bestandsmieten, Sollmieten, Wiedervermietungspotenzial, Mietausfälle der letzten 3 Jahre.
  7. Nebenkostenabrechnung — letzte 2 Jahre als Anlage.
  8. Energieausweis — Pflichtangabe nach GEG: Endenergiebedarf, Effizienzklasse, Energieträger, Baujahr Heizung.
  9. Bodenrichtwert — aktueller Wert aus BORIS, Vergleich zu Vorjahren.
  10. Sanierungshistorie — Dach 2018, Heizung 2021, Fenster 2015 etc.
  11. Investitionsbedarf der nächsten 5–10 Jahre — Klartext statt Schönfärben.
  12. Cashflow-Rechnung — Mieteinnahmen, Bewirtschaftungskosten 15–22 %, Liegenschaftszins, Nettoertrag.
  13. Foto-Set — 15–25 hochwertige Fotos.
  14. Grundrisse — alle WE skaliert und beschriftet.
  15. Dokumentenliste — was im Datenraum verfügbar ist.
Praxistipp: Erfahrene Investoren lesen das Exposé in zwei Phasen: Erste Seite plus Mietliste plus Hauptfoto in 90 Sekunden zur Vorqualifikation, dann tiefer Read bei den 20–30 % qualifizierten Objekten. Die ersten 2 Seiten entscheiden — investieren Sie 80 % der Vorbereitungszeit dort. Ein schludrig wirkendes Deckblatt sortiert Sie unfair, aber faktisch aus dem Long-List der Institutionellen aus.

Fotos und visuelle Vermarktung

Pflicht-Shots

Profi-Optionen

Verboten

Plattformen und Vermarktungskanäle

Massenplattformen

Off-Market und institutionelle Kanäle

Vergleich der Kanäle

KanalReichweiteKäuferqualitätKostenSinnvoll bei
ImmoScout24 Standardsehr hochgemischt250–650 € / 4 Wochen0,5–3 Mio €
ImmoScout24 Premiumsehr hochgemischt+1.500–3.500 €1,5–8 Mio €
Immoweltmittelgemischtkostenfrei / 280 €alle Größen
Off-Market-Pool Investmentmaklerklein, gezieltsehr hochProvision 1–2 %2–50 Mio €
Direktansprache LinkedInkleinhochEigenaufwandspezielle Objekte

Inseratstext: Was funktioniert, was nicht

Funktioniert

Funktioniert nicht

Preisstrategie und Bieterverfahren

Festpreis vs. Bieterverfahren

Bei normaler Marktlage funktioniert ein präzise kalkulierter Festpreis. In sehr nachgefragten Lagen oder bei Trophy Assets ist ein Bieterverfahren überlegen: Mindestgebot 5–8 % unter Zielpreis, klar definierte Abgabefrist (typisch 14–21 Tage nach Inseratsstart), strukturiertes Best-and-Final.

Verhandlungspuffer

Standard sind 3–5 % Puffer im Inseratspreis — Käufer wollen verhandeln. Wer mit 12 % Puffer startet, sortiert Profis aus, weil das nach Unsicherheit aussieht. Wer ohne Puffer startet, läuft Gefahr, im Verhandlungsverlauf unter den Zielwert zu fallen.

Preisreduktion vermeiden

Eine Preisreduktion nach 6+ Wochen signalisiert dem Markt: „Da stimmt was nicht." Besser: gleich realistisch starten oder das Inserat kurz pausieren und neu starten. Eine Preisreduktion sollte mindestens 7 % betragen, sonst wird sie ignoriert.

„Der häufigste Fehler: 20 % über Marktwert starten und nach drei Reduktionen für 5 % unter Marktwert verkaufen. Wer einmal als ‚schwieriges Objekt' im Markt ist, kommt da nicht ohne Preiszugeständnis raus." — Investmentmakler Frankfurt.

Sieben typische Inseratsfehler

  1. Kein Energieausweis — Pflichtverstoß, Bußgeld, Anzeigenpause durch ImmoScout
  2. Keine Mietliste — Profi-Käufer melden sich nicht ohne
  3. Smartphone-Fotos im Hochformat — wirkt nicht professionell
  4. „Wohnfläche ca." statt präziser DIN-277-Berechnung
  5. Sanierungshistorie als Pauschalsatz („wurde regelmäßig gepflegt") statt Jahres-Liste
  6. Versteckte Erbbaurecht-Klausel erst in der Vertragsphase erwähnt — Vertrauensbruch
  7. Falsche oder unklare Preisangabe — Käufer hassen „VHB" bei Standardobjekten

Wert als Grundlage fürs Inserat ermitteln

Häufige Fragen

Auf welchen Plattformen sollte ich mein Mehrfamilienhaus inserieren?

Pflicht: ImmoScout24 (Reichweite Nr. 1 für Renditeobjekte). Stark empfohlen: Immowelt, Crexi.de für Off-Market-Investoren, Immobilienscout24 Invest. Optional bei A-Lage: JLL, Engel & Völkers Commercial, Aengevelt — dort sitzen institutionelle Käufer.

Was gehört in ein gutes Exposé?

Objekt-Eckdaten, Lagebeschreibung mit Mikro-/Makrolage, Wohnflächenaufstellung, Mietliste mit Ist- und Sollmieten, Nebenkosten 2 Jahre rückwirkend, Energieausweis-Auszug, Bodenrichtwert, Sanierungshistorie, Investitionsbedarf, Foto-Set 15–25 Bilder, Lageplan, Grundrisse aller WE, Anfahrt zu ÖPNV/Verkehr.

Wer kauft Mehrfamilienhäuser?

Bestandshalter (50 % der Käufer), Familien-Vermögensverwaltungen (20 %), Bauträger mit Privatisierungsabsicht (15 %), institutionelle Anleger ab 5 Mio Volumen (10 %), Eigennutzer-Hybrid (5 %). Die Zielgruppe entscheidet über Plattform, Tonalität und Vermarktungsweg.

Wie viele Fotos brauche ich?

15–25 hochwertige Fotos: Außenfassade aus 2–3 Perspektiven, Eingangsbereich, Treppenhaus, je nach Größe 2–3 typische Wohnungen (Wohnzimmer, Küche, Bad), Keller, Heizungsraum, Dach (falls saniert), Außenanlage. Drohne lohnt sich bei freistehenden Häusern und Innenstadtlage.

Soll ich den Preis im Inserat angeben?

Bei Standardobjekten ja — sonst kommen unqualifizierte Anfragen. Bei A-Lagen mit hohem Investorenkreis kann VHB / Preis auf Anfrage funktionieren, weil Bieterverfahren geplant ist. Realistische Preisangabe sortiert Lookie-Lous aus und beschleunigt den Verkauf.

Wie lange darf ein MFH-Inserat dauern bis zum Verkauf?

In A-/B-Lagen 2026 typisch 3–6 Monate von Inseratstart bis Notartermin. Wer nach 6 Monaten noch ohne ernstes Angebot ist, hat ein Preis-, Vermarktungs- oder Objektproblem. Über 9 Monate Standdauer drücken den Preis weiter — der Markt vermutet versteckte Mängel.

MR
Autor Stand Mai 2026
Marc-René Ruisinger
Geschäftsführender Gesellschafter · Schwäbische BauWerk GmbH, Stuttgart

Marc-René Ruisinger führt das Stuttgarter Familienunternehmen Schwäbische BauWerk GmbH in fünfter Generation und ist alleiniger Gesellschafter-Geschäftsführer der Marc-René Ruisinger Immobilien GmbH. Sein Schwerpunkt: Erwerb, behutsame Modernisierung und langfristige Bestandshaltung von Mehrfamilienhäusern im süddeutschen Raum. Mehr als zwei Jahrzehnte praktische Erfahrung mit Ankauf, Bewertung, Sanierung und Vermietung von Zinshäusern fließen in die Inhalte auf mehrfamilienhaus-bewerten.de ein.