Kurz: Der Mietspiegel ist eine Übersicht der ortsüblichen Vergleichsmiete einer Gemeinde — geregelt in §558c BGB. Es gibt zwei Formen: den einfachen Mietspiegel (von Stadt und Interessenvertretungen anerkannt) und den qualifizierten Mietspiegel (wissenschaftlich erstellt, alle 2 Jahre angepasst). Er ist die zentrale Referenz für Mieterhöhungen, gerichtliche Mietminderungen und realistische Bewertungsansätze.

Einfacher vs. qualifizierter Mietspiegel

KriteriumEinfacherQualifizierter
Rechtsgrundlage§558c BGB§558d BGB
ErstellungAnerkennung durch Stadt und VerbändeWissenschaftliche Erhebung
AnpassungUnregelmäßigAlle 2 Jahre
VermutungswirkungNeinJa (gilt vor Gericht als richtig)
Beispielstädte 2026Mittelstädte 50–100k EinwohnerBerlin, München, Hamburg, Köln, Stuttgart, Düsseldorf

Anwendung bei Mieterhöhungen

Nach §558 BGB darf ein Vermieter alle 15 Monate die Miete an die ortsübliche Vergleichsmiete anpassen — maximal um die Kappungsgrenze (20 % in 3 Jahren, in Städten mit Wohnraummangel 15 %). Der Mietspiegel liefert die Referenzwerte. Bei Streitfällen entscheidet das Amtsgericht auf Basis des qualifizierten Mietspiegels — einfache Mietspiegel sind nur Indiz.

Bedeutung für die Bewertung

Liegt die Ist-Miete eines Mehrfamilienhauses deutlich unter dem Mietspiegel, ergibt sich ein Mietsteigerungspotenzial, das den Marktwert nach oben beeinflusst. Sachverständige und Investoren rechnen mit der nachhaltig erzielbaren Miete, nicht mit der aktuell vereinbarten. Ein typischer Aufschlag bei strukturell zu niedrigen Mieten: 30–60 % der jährlichen Mietdifferenz zum Spiegel als Kapitalwert dem Verkehrswert hinzu.

Praxisbeispiel

6-Parteien-Haus in Hamburg-Eimsbüttel, Wohnflächen je 65–75 m², Baujahr 1975, mittlere Modernisierung. Ist-Mieten liegen zwischen 9,80 und 11,20 €/m². Qualifizierter Mietspiegel Hamburg 2025 für vergleichbare Wohnungen: 12,30–14,80 €/m². Mittlere Differenz ca. 2,80 €/m² auf 420 m² = 14.112 € jährliches Mietsteigerungspotenzial. Bei Faktor 24 (Hamburg-B-Lage): zusätzlicher Wert ca. 340.000 €, abgezinst auf typische 3–5 Jahre Realisierungsdauer bleiben rund 220.000 €. Wer das nicht einrechnet, verschenkt diesen Betrag.

Häufige Fehler

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